Bericht eines Reisenden

 

Herr Dr. Johannes Fischer war zusammen mit seiner Frau und zwei weiteren Freunden im Juni 2013 mit Extratour in der Mongolei unterwegs. In seinem Reisebericht erzählt er wie die Idee enstanden ist in die Mongolei zu reisen und welchen Eindruck das Abenteuer "Reisen in die Mongolei" bei der Reisegruppe hinterlassen hat. Wir danken sehr herzlich für seinen Beitrag.

Seit langem hatten wir den Wunsch, mal die Mongolei zu bereisen. Angestoßen wurden wir durch die beeindruckenden Filme „Das weinende Kamel“ und „Die Höhle des gelben Hundes“. Zwei dokumentarische Spielfilme über das Alltagsleben in der Mongolei. Letzteren sahen wir im Rahmen eines kulinarischen Kinoprogramms mit mongolischer Livemusik, mongolischem Essen und mongolischer Bedienung.

Zwischenzeitlich hatten wir ja auch verschiedenste Reitmöglichkeiten ausprobiert mit den Islandpferden in Island, den Kamelen in Ägypten und den Elefanten in Thailand. So dass es nun auch aus dieser Sicht „dran war“, mal die mongolischen Pferde und die doppelhöckrigen Kamele auszuprobieren, die es fast nur in der Mongolei gibt.

Bei der Internetrecherche nach einem geeigneten Reiseanbieter war ich noch nicht so ganz fündig geworden, da sah ich eines Tages im NDR-Fernsehen im Magazin DAS! als Talkgast die Münchner Fotografin Sarah Fischer, die als Findelkind bei deutschen Eltern aufwuchs, asiatisch aussieht und auf der Suche nach ihrer Herkunft auch viel in der Mongolei war.  Ich schrieb sie an und bat um einen Tipp für einen geeigneten Reiseanbieter. Als ich ihren ersten Vorschlag als etwas bieder bezeichnete, folgte eine zweite Mail mit dem Text  “Hallo Zoloo, kümmere Dich mal um Dr. Fischer.....“ .
Zoloo ist eine mongolische Freundin von ihr, die jetzt in Österreich lebt und mit ihrer Nichte Zaza ein kleines Reisebüro in Ulaan Baatar betreibt (www.extratour-mongolei.com ). Schnell hatten wir zu Zoloo einen guten Draht und die Gewissheit, dass sie für unsere Reise genau die Richtige ist.

Am 2. Juni flogen wir mit zwei Freunden, Uta und Heinz, in die Mongolei und waren dort mit Zaza als Reiseleiterin und Köchin und Otgoo als Fahrer 3 Wochen mit einem russischen Purgon unterwegs. Wir hatten Zelte, Kücheneinrichtung und Verpflegung dabei und konnten so unabhängig reisen, mal Übernachtung im Zelt, mal in einer Nomadenjurte und mal im Jurtencamp (wenn wir mal wieder das Verlangen nach einer Dusche hatten).

Größte Ungewissheit war für uns die Frage des Essens. Sieht man doch in den Dokus die Nomaden nur gekochtes Hammelfleisch essen (am liebsten das fette) und gegorene Stutenmilch trinken. Um es Zaza vorsichtig klar zumachen, dass das nicht ganz so unser Essen ist, schrieb ich, dass wir hier in Deuschland mehr Kartoffeln, Nudeln und Gemüse essen würden. Zazas Antwort war wenig hilfreich: „ Ja, ich weiß und wir essen hier mehr Fleisch“. Ob es für uns wohl auch Nudeln etc. geben würde?

Zaza war vor 6 Jahren Aupairmädchen in Deutschland und konnte so nicht nur ausgezeichnet deutsch sprechen und uns sehr viel gut erklären im Vergleich der Kulturen, sondern auch gut kochen für unsere Essgewohnheiten. Zum Probieren der mongolischen Spezialitäten gab es dennoch genug Gelegenheit. 
Aaruul, der intensiv schmeckende getrocknete Quark, den ich nach dem ersten Biss dann noch lieber unbemerkt in der Hosentasche verschwinden ließ,
Suutei Zai, den gesalzenen heißen Milchtee der immer serviert wird und meistens gut schmeckt,
Airag, gegorene Stutenmilch,
Urom, abgeschöpfte Pelle von gekochter Milch, Brotaufstrich als Butterersatz,
Arkhi, aus Milch gewonnener Schnaps oder
Horhog, ein Festessen, zu deutsch: Ziege in der Milchkanne (das Fleisch einer Ziege wird in eine Milchkanne gegeben, im Lagerfeuer erhitzte Steine dazu, ein paar Gewürze, wenn vorhanden und ggf. noch ein wenig Gemüse. Die Milchkanne hat einen druckdichten Deckel, durch die heißen Steine wird alles erhitzt, es entsteht in der Kanne ein Überdruck und das ganze funktioniert wie ein Druckkochtopf. Früher verwendete man statt der verschließbaren Milchkanne den Fellbalg der geschlachteten Ziege).

 

Die Mongolei beeindruckt durch ihre Weite und Leere. 4 ½ mal so groß wie Deutschland, etwa 2,9 Mio Einwohner, von denen die Hälfte in der Hauptstadt Ulaan Baatar wohnen.
Kaum verläßt man die Hauptstadt, enden auch schon die Straßen. Weiter geht es auf Schotterpisten, die teilweise bis zu 10 Spuren haben, ist eine Spur zu sehr zum Waschbrett ausgefahren, fährt man einfach daneben und es bildet sich die nächste Spur, Platz gibt es ja genug.
In der Mongolei gibt es keinen Privatbesitz an Grund und Boden und so gibt es auch keine Zäune, das freie Fahren in alle Richtungen unterstreicht das Gefühl der großen Weite, dazu der große Himmel, kein Baum, Haus oder Berg versperrt die Sicht und so wirkt der Himmel besonders groß und zieht den Blick auf sich. 
Unsere Tour führte uns von Ulaan Baatar Richtung Süden zur Wüste Gobi und zurück. Unser Fahrer Otgoo war ein erfahrener Fahrer, war aber noch nie im Süden gewesen. Von Zazas Onkel wurde er zu Beginn der Reise auf einer Landkarte über die Reiseroute informiert. Auf der Reisekarte gab es eingezeichnete Straßen, die in Wirklichkeit so aber für uns nicht erkennbar waren. Die Orientierung erfolgte nach den ausgefahrenen Pisten, der Himmelsrichtung, den markanten Gebirgszügen oder man fragte hin und wieder den Gegenverkehr, falls man einen traf oder erkundigte sich in der nächsten Jurte nach dem rechten Weg. Wir hatten so manchesmal unsere Zweifel, ob Otgoo und Zaza eigentlich wissen, wo es lang geht, doch sie brachten uns immer ans vorgesehene Ziel.

Wir wollten ausführlich Kamele reiten und die Mongolischen Pferde reiten um zu sehen ob sie auch den Töltschritt laufen können, wie die Islandpferde, so sah es jedenfalls in manchen Dokumentarfilmen aus, die wir über die Mongolei gesehen hatten. In der Wüste Gobi verbrachten wir 4 Tage bei der Familie des Kamelnomaden Zorigoo in der Nähe der Khongor Sanddüne. Wir machten tägliche Reitausflüge und erlebten die Familie bei der täglichen Arbeit. Dort lernten wir auch die Ziege in der Milchkanne kennen, die zu unseren Ehren zubereitet wurde.

Zum Abschluss unserer Reise standen einige Tage am Ogii See bei der Nomadenfamilie von Otgondorj mit täglichen Reitausflügen zu Pferde auf dem Plan. Gleich zu Beginn des ersten Reittages kam es zu einem Reitunfall. Unser Freund Heinz wollte gerade aufs Pferd steigen, das von 2 Nomaden gehalten wurde. Das Pferd erschrack beim Aufsteigen, riss sich los und überrannte Birgit, die direkt vor dem Pferd stand. Birgit konnte danach weder stehen noch laufen, das Becken tat wahnsinnig weh. Was sollten wir machen. Das nächste Krankenhaus, war in Ulaan Baatar, noch etwa 400 km Geländestraße entfernt, doch was hätte eine Untersuchung genützt, wir hätten doch eine Behandlung in Deutschland bevorzugt. Zum Glück waren die Schmerzen in der Sitzposition am geringsten. So entschieden wir uns die letzten Tage planmäßig zu bleiben. Birgit wurde die nötigen Wege im Campingstuhl getragen, schluckte ausreichend Schmerzmittel und wir Verbliebenen machten noch 3 Tagesausflüge zu Pferde. 
Die Mongolen reiten mit hoher Geschicklichkeit. Für uns war es recht gewöhnungsbedürftig. Die Nomadensättel sind aus Holz und kaum gepolstert. Für die Touristen haben sie dann z.T. russische Ledersättel draufgebaut. Das passt alles nicht so richtig, so dass man kein sicheres Sitzgefühl hatte.
Die Pferde haben aber eine unglaubliche Energie und Ausdauer. Bei uns bin ich es gewöhnt, dass ein Pferd nach einer gewissen Zeit Galopp von alleine  langsamer wird, weil die Puste knapp wird. Unsere Pferde dort hatten eine längere Ausdauer als wir, da waren wir es als Reiter, die nach einer gewissen Zeit wieder in den Schritt wechseln wollten.

© 2017 Extratours Mongolei

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